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Zuerst einmal muss man unterscheiden zwischen dem Hobbybereich und möglichen wissenschaftlichen, professionellem oder semiprofessionellen Anwendungen. Wir beschäftigen uns als Arbeitsgemeinschaft mit dem Hobbybereich: Hier gibt es regulierten und unregulierten Raketenflug. In beiden Bereichen müssen natürlich die gesetzlichen Regelungen und weitere Bestimmungen mitbeachtet werden.
Im regulierten Hobby-Raketenflug haben sich inzwischen weitweit die Definitionen der NFPA (National Fire Protecting Association, einer US-Behörde), durchgesetzt. Sie wurden ursprünglich in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Modellraketenverbänden NAR und Tripoli erstellt und inzwischen von zahlreichen Organisationen weltweit übernommen. Im deutschsprachigen Raum verwendet die Interessengemeinschaft Modellraketen diese Definierungen, um einen weltweiten Standard zu unterstützen. Der Hobby-Raketenflug wird dabei in drei Kategorien unterteilt: Modellraketen, Highpower und Amateurraketenflug.
Regulierter Raketenflug bedeutet, dass es bestimmte Normen und Bestimmungen für den Bau und den Betrieb von Raketen gibt. Diese Normen wurden anhand von langjährigen Erfahrungen von Verbänden und Organisationen (im Hobbybereich in erster Linie NAR und Tripoli) aufgestellt. Sie sorgen dafür, daß gewisse Sicherheitsstandards eingehalten werden. Im regulierten Hobbybereich unterscheidet man zwischen Modellraketen und Highpower:
Zu den Modellraketen (nach NFPA 1122) zählen alle Modelle, die mit Treibsätzen der Klasse A-G (also unter 160 Ns Gesamtimpuls) und einem Durchschnittsschub von weniger als 80 Ns betrieben werden und deren Gewicht unter 1,5 kg liegen und die nach den Richtlinien des international gültigen Modellraketen-Sicherheitskodex gebaut wurden. Das bedeutet verkürzt die Verwendung von leichten, zerbrechlichen Bauteilen und keine tragenden metallischen Komponenten. Beispiele sind Modelle der Firmen Estes, AeroTech oder Quest.
High-Power Raketen (nach NFPA 1127) sind im Prinzip "normale" Modellraketen mit einem Gesamtimpuls ab dem Bereich von H (160 Ns) bzw. einem Durchschnittsschub von über 80 Ns oder einem Gewicht von mehr als 1,5 kg. Die Obergrenze sind dabei Motoren der Klasse O. Auch für Highpower-Raketen gilt ein HPR Sicherheitskodex, d.h. Bauweise möglichst leicht, Metall nur da, wo aus konstruktiven Gründen notwendig, um Gefahren bei Abstürzen gering zu halten. Naturgemäß sind diese Raketen robuster gebaut als Standardraketen, etwa durch die Verwendung dickerer Körperrohre, sie haben jedoch auch weiterhin deren Sicherheitsfeatures.
Raketen, die keinen Standards und Normen mehr unterliegen, können als unregulierter Raketenflug bezeichnet werden. Im Hobbybereich spricht man von Amateurraketen, eine Sonderform bilden dabei Experimentalraketen:
Alles, was über den Modellraketen- bzw. High-Power-Flug hinausgeht und damit nicht mehr nach einem Sicherheitskodex geregelt ist, kann als Amateurraketenflug bezeichnet werden.
Folgende Kriterien können dabei gezogen werden: Verwendung anderer Materialien als im Sicherheitskodex für Modellraketen vorgeschrieben, etwa tragende Metallteile, harte, nichtzerbrechliche Körperrohre, z.T. auf Kunststoffbasis und stärkere oder selbstgebaute, nicht industriell hergestellte Treibsätze. Um Gefahren auszuschließen, müssen natürlich auch spezielle Sicherheitskriterien und Gesetze beachtet werden, etwa Fliegen nur unter Anwesenheit unmittelbar beteiligter Personen in räumlicher und zeitlicher Distanz zu Flügen mit Modellraketen- oder High-Power-Flügen.
Eine Sonderform von Amateurraketen sind sogenannte Experimentalraketen. Experimentalraketen sind laut Tripoli-Definition Amateurraketen mit selbstgebauten Treibsätzen. In den USA wie in einigen anderen Ländern ist das Selbstbauen von Motoren nicht grundsätzlich verboten, obwohl einige weitere Bestimmungen greifen (z.B. gibt es Transporteinschränkungen).
In Deutschland wie auch in den meisten anderen westeuropäischen Ländern ist der Eigenbau von Treibsätzen ohne entsprechende Genehmigungen (Feuerwerkerschein, Lager- und Herstellungsgenehmigungen, Aufstiegserlaubnisse etc.) verboten. Aus diesem Grund findet man hier im Hobbybereich auch keinen Experimentalraketenbau nach den weltweit üblichen Begriffsdefinitionen. Leider verwenden einige Gruppen noch der Begriff Experimentalraketen für ihre Amateurraketen - was leider irreführend und falsch ist.
(Modifizerter Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von modellraketen.com)
Siehe auch:
© imr
- Interessengemeinschaft Modellraketen
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